Zur Geschichte des Schlosses

Das Varchentiner Schloss wurde ab 1847 vom Schweizer Architekten Auguste de Meron im Auftrag der Hamburger Handels- und Bankiersfamilie erbaut. Die Hamburger Senatorenfamilie Jenisch hatte das alte Varchentiner Ritter gut nach 1838 erworben und ließen nun nicht nur das Schlossgebäude errichten, sondern veränderten das gesamte Dort, da es verlagert wurde, um eine zentrale Sichtachse von der jetzigen Bundesstraße auf das Schloss zu öffnen.

Die Familie Jenisch wählte als den in der Mitte des 19. Jahrhunderts modernen Stil der Neogotik für Ihren Landsitz. So erhebt sich das Gebäude über einem unregelmäßigen Grundriss, strahlt mit den imposanten Türmen weit aus und wird romantisch von umlaufenden Zinnen bekrönt.

In der ersten Bauphase wurde das zweieinhalbgeschossige Haupthaus mit seinen beiden zweigeschossigen Seitenflügeln errichtet, die jeweils von einem Türm abgeschlossen wurden. Der weithin sichtbare Nordturm wurde dabei mit einer Höhe von vier Geschossen besonders hervorgehoben. Der niedrigere Südturm betonte die dynamische Grundform, die sich nicht nur im Grundriss der einzelnen Bauelemente, sondern auch in ihren unterschiedlichen Höhen ausdrückt.

Durch Heirat ging Varchentin an die Grafen von Grote, die bereits im 19. Jahrhundert sanierten und etwa das zentrale Kaminzimmer des Schlosses prägten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Varchentiner Schloss noch einmal massiv vergrößert: Der Südflügel wurde als Witwentrakt angefügt. Um zu vermeiden, dass der Südturm seinen Turmcharakter verliert wurde er im Zuge der Erweiterung um ein Geschoss aufgestockt und erhielt seine jetzige Form. Der Südflügel nimmt die Stilelemente des vorhandenen Schlosses außen auf. Mit dem Zinnenkranz und der ähnlichen Verputzung wurde es einheitliches Äußeres hergestellt.

 

Im Innern lassen sich jedoch sehr deutlich erkennen, dass der Haupttrakt und der Südflügel von Bauherrn mit unterschiedlichem Selbstverständnis errichtet wurden: Wenn man durch den Hauteingang tritt findet man sich in einer geräumigen Halle, die reich mit Stuckelementen geschmückt ist, die den Zweck als Land- und Jagtsitz betonen, der Kamin nimmt die gotischen Schmuckelemente der Fassade wieder auf. Doch habe wir es hier mit einem abgeschlossenen Raum zu tun, der sich an zwei Seiten zu den Fluren und durch zwei Türen zu den Sälen mit Gartenblick öffnet. Die Obergeschosse werden durch relativ kleine Treppen erschlossen, die verborgen in die Flure eingearbeitet sind. Das Varchentiner Schloss ist eines der größten Gutshäuser des Landes doch wird dieses Grandeur nicht auf den ersten Eindruck in der Haupthalle übertragen. Hier sehen sich das hanseatische Understatement eines Hamburger Kaufmanns wieder.

Wenn wir nun den Südflügel durch den Seiteneingang betreten, bietet sich uns ein vollkommen anderes Bild: wir kommen direkt auf eine massive Freitreppe zu, die sich in einer Eingangshalle erstreckt, die zum Teil beide Geschosse einnimmt. Dies entspricht dem Alterssitz einer Grafenwitwe.